06.05.2026

Beginn einer neuen Ära - Homeric vor 40 Jahren abgeliefert

Papenburg, 06.05.2026 –

– Es war der Beginn einer Ära. Vor 40 Jahren, am 6. Mai 1986, übergab die MEYER WERFT die Homeric an die Reederei Home Lines. Es war das erste Kreuzfahrtschiff der Papenburger Werft. Bis heute folgten mehr als 60 Kreuzfahrtschiffe. Trotz großer Herausforderungen gelang der MEYER WERFT mit der Homeric nicht nur der Einstieg in den Markt der Kreuzfahrtschiffe, über Jahrzehnte prägten fortan die Schiffe aus Papenburg das ganze Bild einer Branche.

Bis zur Homeric war die Werft vor allem für ihre Fähren und Gastanker bekannt. Mit dem Auftrag für das Kreuzfahrtschiff wurde Neuland betreten. Die damals rund 1200 Mitarbeitenden sollten in zwei Jahren ein Schiff bauen, das zwischen New York und den Bermudas pendeln sollte. Im April 1984 wurde der Auftrag bekanntgegeben. „Bei uns intern, aber auch hier in Papenburg und Umgebung haben ja viele von einem Wagnis und von einem Risiko gesprochen. Und viele haben auch prognostiziert, dass wir zu einer Eintagsfliege werden. MEYER wird sich da eine blutige Nase holen“, erinnert sich Wolfgang Nee zurück. Der Mitarbeiter der Buchhaltung hatte 1985 gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Koppers die Ausbildung begonnen. S.610, so die firmeninterne Baunummer, entstand damals unter freiem Himmel. „Im Winter minus 20 Grad, im Sommer hatten wir im Doppelboden über 50 Grad, das war extrem“, blickt Schweißer Theodor Platt zurück. Nicht nur das Wetter stellte die Werft-Mitarbeiter vor Herausforderungen. „Ich kann mich erinnern, dass ich Schweißelektroden holen sollte und dabei habe ich mich glatt verlaufen auf dem Schiff“, erzählt Joachim Gosling, damals in der Bordmontage tätig. Auch er, wie noch etliche andere Mitarbeitenden der MEYER WERFT, sind heute noch auf der Werft tätig.

Am 28. September 1985 erfolgte der spektakuläre Stapellauf der Homeric. „Das war sozusagen eine Pflichtveranstaltung für alle Papenburger. Man ging dahin. Es war ja auch eine Sensation. Und gerade bei diesem großen Schiff, da haben sich ja auch viele gefragt, ob das wohl gut geht“, erzählt Petra Koppers. Und es ging gut. Das Schiff läuft quer vom Stapel und rutscht ins Wasser. „Und dann ist die Welle gekommen, ist auf die andere Seite auf das Land geschwappt, das Wasser ist abgelaufen und zwischen den Bäumen und Steinen sind die Fische liegen geblieben und die haben die Kinder dann aufgesammelt. Das war schon ein Ereignis für die Kinder, ohne Angel Fische zu fangen“, denkt Theodor Platt zurück.

Doch die Geschichte der Homeric bot noch weiteren Stoff für die Geschichtsbücher. Zur von der Reederei geforderten Probefahrt geht es über die Ems hin und zurück. Am 6. Mai 1986 schließlich erfolgt die pünktliche Ablieferung an die Reederei und das Schiff geht in den Dienst zwischen New York und den Bermudas. Nur zwei Jahre später kehrt sie dann über die EMS nach Papenburg zur MEYER WERFT zurück. Die Reederei möchte das Schiff verlängern lassen. Gesagt, getan. 40 Meter wird die Homeric verlängert. „Das war eine fantastische Aufgabe. Wir sind natürlich auf die Wünsche des Kunden eingegangen. Und was ganz wichtig war, die Demonstration, dass wir diesen Umbau, also Schiffschneiden, 40 Meter dazwischen bauen und das Ganze noch vier Tage vor dem Termin abzuliefern, schaffen. Das war auch wieder ein Erfolgserlebnis, auch ein Signal für die ganzen anderen Kunden, die sehen konnten, dass wir mit solchen Problemen fertig werden konnten“, so Jochen Zerrahn, damals Leiter der Produktion auf der MEYER WERFT.

Die Werft verbuchte das gewonnene Know-how, das Wissen um die eigenen Stärken und die positiven, aber auch negativen Erfahrungen aus dem Bau als Gewinn, der sie an die Spitze der Kreuzfahrtschiffbauer führte. „Das ist ja auch, was bei unseren Bestandskunden geschätzt wird, aber auch bei Neukunden ja immer wieder ein Argument mit ist, hier in Deutschland bei der MEYER WERFT ein Kreuzfahrtschiff zu bestellen. Werthaltige Arbeit, Qualität und Zuverlässigkeit. Natürlich, wir haben in den letzten Jahren Schwierigkeiten gehabt, ohne Frage, die auch alle ihre Gründe hatten. Aber ich denke, auch da werden wir mit vereinter Kraft gestärkt daraus hervorgehen und auch in den nächsten 30, 40 Jahren weiterhin Kreuzfahrtschiffe hier bauen“, sagt Wolfgang Nee.

Die Erinnerungen an das Schiff sind bei vielen älteren Mitarbeitenden noch lebendig. Die Homeric war bis zur Ausmusterung 2020 auf den Weltmeeren unterwegs, zuletzt unter dem Namen Marella Dream. Im Sommer 2022 schließlich ging sie auf ihre letzte Reise zum Abwracken in die Türkei. Vor der Verwaltung der MEYER WERFT erinnert heute ein Lampenmast an das erste Kreuzfahrtschiff der Werft.

Technische Daten Homeric (vor Verlängerung):

Länge: 204 Meter

Breite: 29 Meter

Passagierkapazität: 1132

Vermessung: 42.000 BRZ

Bildzeilen:

Foto: Homeric auf See.

Foto: Wolfgang Nee und Petra Koppers neben einem Lampenmast der Homeric.

Foto: Schweißer Theodor Platt im Besucherzentrum der MEYER WERFT neben einem Modell der Homeric.

Foto: Jochen Zerrahn, Produktionsleiter beim Bau der Homeric, neben einem Modell der Homeric.

Foto: Spektakulärer Stapellauf der Homeric.

Foto: Bau der Homeric unter freiem Himmel.

Foto: Homeric Lounge.

Foto: Homeric Restaurant.

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Ablieferung der Homeric vor 40 Jahren
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