Papenburg, 31.03.2003 - Die MEYER WERFT verhandelt derzeit über neue Aufträge zum Bau von großen Kreuzfahrtschiffen. Die Werft hofft, dass entsprechende Entscheidungen über Auftragsvergaben bis zum Sommer fallen. Die aus diesen Auftragsgesprächen erkennbare mögliche Auslastung reicht bei weitem nicht aus, die vorhandenen Kapazitäten zu beschäftigen. Daher ist eine bedeutsame Reduzierung der Belegschaft in einer Größenordnung von ca. 800 Mitarbeitern notwendig.
Konzept 2004
Die Mitarbeiter der MEYER WERFT wurden heute auf einer Informationsversammlung über die nächsten Schritte der Restrukturierung (Konzept 2004) informiert. Die Geschäftsleitung hat den Mitarbeitern die Pläne zur Sicherung der Arbeitsplätze nach 2004 vorgestellt. Diese Pläne setzen sich aus folgenden Punkten zusammen:
Anpassung an marktgerechte Kapazitäten Die Werft hatte in den Jahren 2000 und 2001 etwa 600 neue Arbeitskräfte eingestellt. Angesichts der schwierigen Weltwirtschaftslage, der zurückhaltenden Markteinschätzung sowie Lücken in der Auslastung der vorhandenen Kapazitäten bestehen personelle Überkapazitäten, besonders für das Jahr 2004. Aus diesem Grund muss die MEYER WERFT die Belegschaft von derzeit 2.600 um ca. 800 Mitarbeiter verringern. Dabei darf das für die Werft unverzichtbare Know-how nicht beeinträchtigt werden. Die Maßnahmen zur marktgerechten Anpassung werden mit dem Betriebsrat des Unternehmens und der IG Metall Küste erörtert mit dem Ziel, einvernehmliche Vereinbarungen über Interessenausgleich und Sozialplan zu treffen.
Enormer Preisdruck Über diese personellen Anpassungsmaßnahmen hinaus muss die MEYER WERFT gravierende weitere Maßnahmen einleiten, um die sinkenden Preise für die möglichen Aufträge aufzufangen. Da die Preise für Kreuzfahrten beim Endverbraucher sinken, erwarten die Reedereien entsprechend niedrigere Schiffspreise. Die Papenburger Schiffbauer werden sich intern weiter restrukturieren, um dieses Preisniveau bei gleicher Qualität der Schiffsneubauten zu erreichen. Das verlangt vor dem Hintergrund der relativ schwachen Nachfrage nach Schiffsneubauten, des hohen Preisdrucks und der kurzfristig zurückhaltenden Markteinschätzung weitere vielfältige Maßnahmen zur Kostenentlastung.
Baustrategie der MEYER WERFT: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Nach den Investitionen in den Werftstandort Papenburg, die angesichts der langfristig guten Wachstumsprognosen der Kreuzfahrtindustrie erfolgten, hat die Werft in den letzten zwei Jahren viele organisatorische Veränderungen in den Abläufen vorgenommen. Es wurden u.a. Gruppenarbeitskonzepte eingeführt, die Arbeitszeit-flexibilität wurde deutlich erhöht. Darüber hinaus wurde die Fertigungstiefe, d. h. der Eigenanteil in der Fertigung weiter verringert. Der Zukauf von Blöcken und Sektionen, die schlüsselfertige Vergabe von Ausbauarbeiten oder der Einkauf von Fertigkabinen hat entsprechend zugenommen. Diese bereits im Jahr 2001 gestartete Reorganisation des Unternehmens (Konzept 2002) hatte bedeutsame positive Effekte für die Arbeitsabläufe.
Mit vielen Maßnahmen (Zeitkonten, flexible Arbeitszeiten, Umsetzungen, etc.) kann das Unternehmen Phasen von Unterbeschäftigung intern kompensieren. Nur durch die Kombination aller Maßnahmen zur Kostenreduzierung und höherer Produktivität hat die Werft die Chance, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. In der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation stellt sich das Unternehmen den Anforderungen der Kunden im Hinblick auf Preise, Qualität und Termine. Die Weichen müssen jetzt - frühzeitig - richtig gestellt werden, um auch nach 2004 zu den weltweit führenden Anbietern von Passagier- und Kreuzfahrtschiffen zu zählen, denn langfristig hat dieser Markt große Wachstumspotenziale.