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Die Meilenstein-Macher
Ein Interview mit Bernard Meyer

Bernard Meyer leitet die MEYER WERFT seit 1982. Unter seiner Führung wurde 1986 das erste Kreuzfahrtschiff gebaut. Hier gibt er einen kurzen Einblick in die Werftgeschichte.

Bernard Meyer, Geschäftsführer Meyer Werft
225 Jahre Meyer Werft – war das nun Glück oder Geschick?
Bernard Meyer: Beides, denn Glück muss man sich erarbeiten. Wir haben oft die richtigen Entscheidungen getroffen, wir hatten aber auch Glück. Als wir zum Beispiel 1973 mit der Werft umzogen, begann direkt die Öl- und schließlich eine große Werftenkrise – und der Markt brach zusammen. Kaum hatten wir 2001 die zweite Baudockhalle fertig, kam der 11. September – und der Kreuzfahrtmarkt brach ein. Doch langfristig waren das immer richtungsweisende Entscheidungen, und wir haben als eine der wenigen Werften in Deutschland und als einzige Werft in Papenburg überlebt.
Erinnern Sie sich an das schwierigste Projekt?
Bernard Meyer: Keine Verhandlung ist einfach. Aber ich erinnere mich an eine besonders langwierige: Ich bin mit meinem Vater nach Russland gereist, wir brauchten den Auftrag für einen Gastanker. Und diesen Auftrag haben wir uns förmlich ersessen: Alle anderen reisten schon wieder ab, aber wir blieben in Moskau, bis wir nach vier Wochen den Zuschlag hatten. Verträge werden nie in ein paar Stunden geschlossen. Die Verhandlungen mit P&O für die „Oriana“ zogen sich über ein Jahr hin, mit Disney haben wir sogar sechs Jahre verhandelt. Schiffe verkaufen ist ebenso kompliziert, wie sie zu bauen!
Sie haben kürzlich gesagt: „Ich treffe keine Entscheidungen mehr ohne meine Söhne.“ Fällt es Ihnen schwer, das Ruder Stück für Stück an Ihre Söhne zu übergeben?
Bernard Meyer: Nein, das haben wir in unserer Familie schon immer so gemacht. Wenn ich andere Unternehmerfamilien sehe, wo das Erbe in zahlreiche Hände geht und am Ende dann Hunderte mitbestimmen wollen, weiß ich, dass wir es richtig machen. Engagement ist das wichtigste, Passion ist auch wichtig, dann kommt das Glück von ganz allein.
225 Jahre Familiengeschichte
Triton
1874
Das erste Passagierschiff der MEYER WERFT
Der junge Joseph Lambert Meyer beweist Ende des 19. Jahrhunderts Pioniergeist. Er lässt auf der MEYER WERFT erstmals Eisenschiffe bauen. Die ersten drei sind sogenannte Kohlenprähme, 1874 läuft dann Baunummer 4 vom Stapel: die Triton, der erste Passagierdampfer der MEYER WERFT. Das gut 35 Meter lange Schiff ist der Startschuss für ein neues Zeitalter.
Prinz Heinrich
1909
Prinz Heinrich dampft immer noch

Der Auftrag für Baunummer S. 240 kommt von der Borkumer Kleinbahn & Dampfschifffahrts AG. 1909 liefert die MEYER WERFT die Prinz Heinrich ab, ein 37 Meter langes Dampfschiff, das fortan als Fracht- und Fahrgastschiff zwischen Emden und Borkum pendelt. Heute verkehrt die Prinz Heinrich zwischen Ems und Dollart – aufwändig restauriert und vom Landesamt für Denkmalpflege als Bewegliches Denkmal anerkannt. Sie sticht noch immer in See, mal für Rundfahrten, mal – wie vor mehr als 100 Jahren schon – für Reisen nach Borkum oder in ihre Geburtsstadt Papenburg.

Graf Goetzen
1913
Graf Goetzen
1913
EIN PASSAGIERDAMPFER MACHT KARRIERE

Ein Auftrag des Auswärtigen Amts, Kolonialabteilung: Die MEYER WERFT soll ein Schiff für den Passagierverkehr auf dem zweitgrößten See Afrikas bauen, für den Tanganjikasee in Ostafrika. Die Belegschaft baut das Schiff zunächst in Papenburg zusammen, dann zerlegt sie es wieder, verpackt es in wasserdichte Kisten und verschifft es nach Ostafrika – zusammen mit einigen Papenburger Schiffbauern, die die Graf Goetzen an Ort und Stelle zusammenbauen sollen.

Als der Erste Weltkrieg ausbricht und sich englische Truppen dem Tanganjikasee nähern, fetten die Werftarbeiter die Maschinenteile ein und versenken das Schiff. Dank ihrer Weitsicht kann die Graf Goetzen nach dem Krieg ohne nennenswerte Schäden gehoben werden.

Unter dem Namen Liemba nimmt sie den Dienst auf dem Tanganjikasee wieder auf, hier dreht sie bis heute ihre Runden. Nur einmal pausiert sie: 1951 wird das Schiff für Filmarbeiten eingesetzt und über Nacht berühmt. Im Film African Queen spielt es zusammen mit Katherine Hepburn und Humphrey Bogart eine wichtige Rolle.

Durazzo
1921
Die Durazzo – eine Herausforderung

Ein echter Meilenstein: 1921 läuft die Durazzo vom Stapel, das größte Schiff, das bis zu diesem Zeitpunkt auf der MEYER WERFT gebaut wurde. Der Frachtdampfer misst 72,90 Meter in der Länge und 10,45 Meter in der Breite.

Trotz einer sehr kurzen Bauzeit übergibt die MEYER WERFT die Durazzo pünktlich an die Hamburg Amerika Linie (HAPAG). Doch der damalige Werftchef Franz Joseph Meyer hat während der Bauzeit keine ruhige Minute und schwört sich, nie wieder ein so großes Schiff zu bauen. So bleibt die Durazzo bis zu seinem Tod im Jahr 1951 das größte Schiff, das Papenburg je verließ.

Elbe 1
1939
Gebaut, versenkt, gehoben, abgeliefert: die Elbe 1

Anfang 1939 erhält die MEYER WERFT den Auftrag für die Elbe 1. Lange Zeit geht der Bau nur langsam voran. In den letzten Kriegswochen nähern sich Truppen Papenburg und dem fast fertigen Schiff. Da versenken Werftarbeiter die Elbe 1 kontrolliert, um sie vor den Bomben der Alliierten zu schützen. Wenige Monate später können sie das Schiff, dessen Maschinen sie vorher gut eingefettet hatten, wieder heben.

Die Alliierten benötigen schnell ein Feuerschiff, daher werden alle Kräfte mobilisiert. So kann die Elbe 1 schon bald Position in der Elbmündung beziehen. Heute liegt sie als Museumsschiff in Cuxhaven.

Mauritius
1955
Der internationale Durchbruch

Alles beginnt 1954 mit einem ungewöhnlichen Anruf: Ob sich jemand von der MEYER WERFT noch heute mit einem Reeder in Lingen treffen könne? Nur wenige Stunden später lernt Joseph-Franz Meyer Mister Taylor von der Insel Mauritius kennen. Der Reeder sucht ein Kombischiff, das neben Decks- und Kabinenpassagieren auch Vieh und Stückgüter zwischen Ceylon, Mauritius, Madagaskar und Südafrika transportieren soll. Die Verhandlungspartner werden sich in vier Stunden einig, eine Woche später unterzeichnen sie den Vertrag.

Für die Papenburger Werft ist die 78 Meter lange Mauritius ein Schlüssel zu neuen Märkten. Mit dem Schiff werden Reedereien in Großbritannien, Dänemark und Norwegen, in Indonesien, Birma und Pakistan auf die MEYER WERFT aufmerksam. Ein Durchbruch in einer Zeit, als man das Wort Globalisierung noch nicht kannte!

Gastanker
1961
Gastanker – ein neues Geschäftsfeld

Noch ein Meilenstein: 1961 liefert die MEYER WERFT den ersten Gastanker ab, die KIRSTEN THOLSTRUP, 60 Meter lang und mit einem Ladevolumen von 900 Kubikmetern noch relativ klein. Es folgen Gastanker für deutsche, niederländische, dänische, schwedische, britische und russische Reedereien. In den 1990er Jahren stammen weltweit rund 20 Prozent aller Spezialschiffe für den Gastransport aus Papenburg. Ein Geschäftsbereich, der weiter bestehen wird: 2018 wird die CORAL ENERGICE an die niederländische Reederei Anthony Veder abgeliefert: ein Gastanker, der mit seinen besonders umweltfreundlichen Dual-Fuel-Motoren zu den umweltfreundlichsten seiner Art zählt.

Umzug der MEYER WERFT
1975

Bis 1975 baut die MEYER WERFT noch mitten in Papenburg Schiffe, dann beschließt Joseph-Franz Meyer aufgrund eines Auftrags über sechs Gastanker den Umzug – und das Werftgelände wird an den Stadtrand Papenburgs verlegt. Hier können jetzt größere Schiffe gebaut werden und das Werftgelände kann weiter wachsen.

Passagierschiffe für Indonesien
1983
Unser Beitrag zur besseren Infrastruktur in Indonesien

Zwischen 1983 und 2008 baut die MEYER WERFT die wohl größte Serie von Passagierschiffen, Auftraggeber für diese Schiffe: der Inselstaat Indonesien. Seitdem pendeln die 24 Schiffe zwischen den Inseln hin und her und verbessern damit die Infrastruktur des südostasiatischen Landes. Das älteste Schiff, die knapp 100 Meter lange KELIMUTU, hat Platz für über 900 Passagiere, das größte und neueste Schiff, die 2008 fertiggestellte GUNUNG DEMPO, kann mehr als 1.500 Passagiere und 100 Container befördern.

Homeric
1984
Das erste Kreuzfahrtschiff der MEYER WERFT

Schon wieder ein Meilenstein – und gleichzeitig der Beginn der Kreuzfahrtschiff-Ära auf der MEYER WERFT: Die Homeric ist das erste Kreuzfahrtschiff, das auf der Papenburger Werft gebaut wird. Und es ist das erste Passagierschiff dieser Größe, das quer vom Stapel gelassen wird – das hat auf der ganzen Welt noch keine Werft versucht! Doch es klappt: Am 28. September 1985 gleitet das Schiff majestätisch vom Rand des Hafenbeckens zu Wasser.

Nach nur zwei Jahren Bauzeit wird die Homeric im Mai 1986 an die italienische Reederei Home Lines abgeliefert. Heute fährt das Kreuzfahrtschiff unter dem Namen Marella Dream über die Weltmeere.

Ab jetzt Teil der MEYER Gruppe: die NEPTUN WERFT
1997
AB JETZT TEIL DER MEYER GRUPPE: DIE NEPTUN WERFT

1997 übernimmt die MEYER WERFT die 1850 gegründete NEPTUN WERFT. Fortan etabliert sich die NEPTUN WERFT im Flusskreuzfahrtschiffmarkt und liefert diverse Fähren und Gastanker ab. Heute entstehen dort zudem Maschinenraummodule für Kreuzfahrtschiffe. Die Rostocker Werft beschäftigt aktuell rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zahlreiche Menschen bei Partnerfirmen.

Tiertransportschiffe
2000
Ein Spezialgebiet: große Tiertransportschiffe

Insgesamt 27 Tiertransportschiffe hat die MEYER WERFT bis zum heutigen Tag umgebaut und abgeliefert, ein Beispiel: der ehemalige norwegische Tanker ERDIVER. Da das Schiff mit seinen 244 Meter Länge zu groß ist, um über die Ems nach Papenburg zu fahren, kooperiert die MEYER WERFT für den Umbau mit einer Bremer Werft. Unsere Papenburger Ingenieurinnen und Ingenieure konstruieren das 110 Meter lange, 36 Meter breite und 18 Meter hohe Schafhaus: mit rutschfesten Decks, auf denen das Vieh auch bei Seegang Halt findet, mit einer automatisch gesteuerten Futter- und Trinkwasserversorgung, einer Urinabflussanlage und mit Frischluftzufuhr.

Nach dem Umbau transportiert das Schiff unter dem Namen AL SHUWAIKH bis zu 125.000 Schafe von Australien in die Anrainerstaaten des Persischen Golfs.

Containerschiffe
2005
Containerschiffe
2005
Schlank, schnell und sicher im Eis: unsere Containerschiffe

Die MEYER WERFT baut Containerschiffe! Auftraggeber für die vier schlanken, schnellen Schiffe ist das Emissionshaus Hansa Hamburg Shipping International. Die Eilbek, Reinbek, Flottbek und Barmbek sind 169 Meter lang, 27,20 Meter breit und bieten eine Stellplatzkapazität für insgesamt 1.600 Container. Die Besonderheit der vier Containerschiffe: Sie trumpfen mit der maximalen Eisklasse und mit einer besonderen Lukenanordnung auf. Auch der Bau eines Decks im Brückenhaus ist 2005 eine Neuheit. Auf den vier Containerschiffen können zusätzlich zur Besatzung zwölf Passagiere mitreisen.

MEYER TURKU
2014
Die MEYER Gruppe wächst weiter

Im Jahr 2014 wird MEYER TURKU Teil der Unternehmensgruppe. Auf dem Werftstandort im finnischen Turku werden vor allem Kreuzfahrtschiffe gebaut, zum Beispiel die Mein-Schiff-Flotte für TUI Cruises und zuletzt die Costa Smeralda. Darüber hinaus liefert die Werft auch Fährschiffe an internationale Reedereien ab.

Forschungsschiff SONNE
2014
Ein Wunderwerk der MEYER WERFT

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet es bei seiner Taufe als schwimmendes Wunderwerk: das Forschungsschiff SONNE, eines der modernsten Forschungsschiffe der Welt. Und sie ist tatsächlich ein Wunderwerk: Die Aggregate im Maschinenraum sind so gelagert, dass sie kaum Schwingungen an den Schiffsrumpf abgeben, so werden die Echolotuntersuchungen nicht gestört. Außerdem verfügt sie über sieben leistungsstarke Krane, einen Tauchroboter, ein System zur punktgenauen Positionierung und 17 Labore auf insgesamt 600 Quadratmetern. Selbstverständlich fährt sie auch besonders sparsam und umweltschonend, dafür wurde sie mit dem deutschen Umweltsiegel „Blauer Engel“ ausgezeichnet.

Haupteinsatzgebiete der SONNE sind der Indische und der Pazifische Ozean. Hier trägt sie dazu bei, Fragen in der klimabezogenen Meeresforschung und der Erforschung von Rohstoffen auf dem Meeresboden zu beantworten.

225 JAHRE MEYER WERFT
225 Jahre MEYER WERFT
Gratulation zum Jubiläum
„Wir gratulieren zum Geburtstag. Die MEYER WERFT ist ein Unternehmen, auf das wir im Emsland stolz sind und das Tausenden Lohn und Brot gibt. Wie schon in der Vergangenheit, kann die Werft auch in Zukunft fest auf uns bauen.“
Marc-André Burgdorf
Landrat im Landkreis Emsland
„Wir gratulieren ganz herzlich! Die Werft und die Stadt gehören seit 225 Jahren eng zusammen: Der Schiffbau bringt seit jeher Arbeit und Wohlstand und hat unsere Stadt weltweit bekannt gemacht. Und die Alte Werft ist heute das kulturelle Zentrum Papenburgs.“
Jan Peter Bechtluft
Bürgermeister der Stadt Papenburg
„Zusammen mit der Werft, den Kommunen und Behörden sowie den Umweltverbänden bearbeiten wir erfolgreich die Zukunftsthemen im Bereich Weser-Ems. Gemeinsam schaffen wir Lösungen für Umwelt und Wirtschaft. Unsere besten Wünsche für die nächsten Jahrzehnte!"
Franz-Josef Sickelmann
Landesbeauftragter Niedersachsen
„Die MEYER WERFT ist ein herausragendes Beispiel, wie erfolgreiche Familienunternehmen unsere Region zur Wachstumsregion machen. Vielen Dank dafür und weiterhin alles Gute!“
Dr. Dirk Lüerßen
Geschäftsführer der Wachstumsregion Ems-Achse e.V.
„Erst die Werft und ihr Besucherzentrum haben Papenburg auf die touristische Landkarte Deutschlands gebracht. Hotellerie, Gastronomie und viele andere profitieren ungemein. Glückwunsch!"
Kai Nehe
Geschäftsführer Papenburg Marketing GmbH