Kombischiff als Schlüssel zu neuen Märkten

Mit der Mauritius gelang der Durchbruch. Das 1955 abgelieferte Kombischiff machte die MEYER WERFT Papenburg international bekannt. Es begann 1954 mit einem ungewöhnlichen Anruf: Ob sich jemand von der MEYER WERFT schnell mit einem Reeder in Lingen treffen könne? Der Mann wolle einen Motorfrachter bestellen, müsse aber noch am Abend zurück nach Amsterdam.

Nur wenige Stunden später waren Joseph-Franz Meyer und der damalige Leiter des Konstruktionsbüros Schiffbau, Karl Blohm, unterwegs. In Lingen trafen sie einen Mister Taylor von der Insel Mauritius sowie einen Mister Sorgo aus London. Beiden war zu Ohren gekommen, dass Meyer Papenburg mit dem Frachter Kurt Arlt einen Schiffstyp entwickelt hatte, der sich im Einsatz gut bewährte.

Doch im Gespräch stellte sich rasch heraus, dass die beiden Reeder kein reines Frachtschiff wollten. Ihnen schwebte vielmehr ein Kombischiff vor, das neben Decks- und Kabinenpassagieren auch Vieh und Stückgüter aller Art transportieren sollte. Es war geplant, das Schiff zwischen Ceylon, Mauritius, Madagaskar und Südafrika einzusetzen.

Weil der von Meyer entwickelte Frachtertyp als Grundlage diente, wurden sich die Verhandlungspartner schnell einig. Schon vier Stunden später entschloss sich Mister Taylor, mit nach Papenburg zu fahren. In den kommenden vier Tagen wurde hart gearbeitet, und am Ende stand ein Entwurf für einen Neubau fest, der alle Seiten befriedigte. Nur eine Woche später konnte der Vertrag in London unterzeichnet werden.

Für die MEYER WERFT war die Mauritius der Schlüssel zu neuen Märkten. Mit dem Kombischiff wurde das Papenburger Schiffbauunternehmen in Großbritannien bekannt - und nicht nur dort. Unter den nächsten Auftraggebern waren Reedereien aus Birma, Dänemark, Indonesien, Norwegen und Pakistan. Dem Aufstieg zu einer international anerkannten und modernen Werft stand nichts mehr im Weg.