Der erste Luxusliner aus Papenburg

Mit spektakulären Neubauten hatten die Papenburger schon häufiger von sich reden gemacht, doch im April 1984 wagte die MEYER WERFT das scheinbar Unmögliche: Das Unternehmen verkündete den Bau eines Kreuzfahrtschiffes, das mit 42.000 BRT größer als die deutsche Europa werden sollte.

Schon während ihrer Rekord-Bauzeit von nur zwei Jahren war die Homeric für manche Legende gut. So geht zum Beispiel das Gerücht, dass ein Mitarbeiter der auftraggebenden Reederei erst ungläubig auf die Seeschleuse und dann auf das neue Schiff blickte. Der Mann bewies Humor: "Ich glaube, ihr bekommt hier ein richtig schönes Hotel", soll er gesagt haben. Seine Skepsis war verständlich. Bei der Kiellegung des Luxusliners gab es in der Stadt an der Ems nur eine 26 Meter breite Schleuse. Die Homeric sollte mit 29 Metern genau drei Meter breiter werden.

Die Sache mit der Schleuse war zu diesem Zeitpunkt allerdings längst gelöst. Neben der Seeschleuse baute die Stadt bereits an einer neuen Dockschleuse, die Schiffen bis zu einer Breite von 40 Metern und einem Tiefgang von 7,30 Metern die Ausfahrt aus dem Papenburger Hafen möglich macht. Die neue Anlage wurde im Juni 1985 in Betrieb genommen.

Für Laien unsichtbar waren die wirklichen Probleme, die dieser Auftrag mit sich brachte. Denn der Bau eines so großen Kreuzfahrtschiffes stellte vor allem eine technische Meisterleistung dar. Nur ein Beispiel: Bis zum Bau des weltgrößten überdachten Baudocks wurden Schiffe in Papenburg quer vom Stapel gelassen. Und auf der ganzen Welt hatte bislang keine Werft versucht, ein Passagierschiff von der Größe der Homeric auf diese Weise ins Wasser zu befördern.

Noch am Tag vor dem Stapellauf lag der Neubau mit der Baunummer 610 rund vierzig Meter vom Rand des Hafenbeckens entfernt. Mittels eines ausgeklügelten Systems von Hydraulikpressen wurde der 16.000 Tonnen schwere Koloss Zentimeter für Zentimeter ans Wasser heran geschoben. Am 28. September 1985 herrschte rund um das Werftgelände Volksfeststimmung. Kaum einer wollte sich das Jahrhundertereignis entgehen lassen, und die Homeric schien zu wissen, was sie den Papenburgern schuldig war. Punkt 11.30 Uhr erklang das Kommando: "Kappt!". Axtschläge hallten durch die Luft, und nur wenige Sekunden später glitt das Riesenschiff majestätisch ins Wasser.

In den kommenden Monaten wurde auf der MEYER WERFT mit Hochdruck gearbeitet. Schon Ende Dezember 1985 konnte der Kreuzfahrer zu seiner ersten Erprobungsfahrt in die Nordsee starten. Am 5. Mai 1986 verließ die Homeric die Bauwerft mit Kurs auf New York.