Nach neun Jahren Bauzeit abgeliefert

Das Schicksal spielt gelegentlich auch Schiffen übel mit. Das Feuerschiff Elbe 1 wurde auf Kiel gelegt, gebaut, versenkt, gehoben und endlich doch noch abgeliefert - nach neun Jahren.

Anfang 1939 erhielt die MEYER WERFT den Auftrag über drei Feuerschiffe: Die Wasserstraßenverwaltungen bestellten Elbe 1 und Borkumriff, die Marine das Feuerschiff Außenjade. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppten die Nationalsozialisten zivile Schiffbauaufträge. Die Pläne zweier Feuerschiffe verschwanden vorläufig in den Schubladen, nur an Elbe 1 wurde langsam weitergebaut. Nach dem Stapellauf konnten sich lediglich ein älterer Schiffbauer und ein Lehrling um den Weiterbau des Schiffes kümmern. 1942 war das Feuerschiff bis auf die gesamte Inneneinrichtung komplett und lag im Werfthafen - in Erwartung besserer Zeiten.

Als sich in den letzten Kriegswochen 1945 Truppen der Stadt Papenburg näherten, versenkten Werftarbeiter das Schiff, um es vor den Bomben der Alliierten zu schützen. Bereits im Sommer 1945 wurde es wieder gehoben. Zunächst war an den Weiterbau nicht zu denken. Es gab kein Werkzeug, kein Material, keinen Strom.

Erst Ende 1945 wurde auf der Werft wieder mit 50 Mann gearbeitet. Weil es keine Transportmittel gab, hatten zunächst Reparaturaufträge Priorität. Um 1948 sollte endlich auch die Elbe 1 fertiggebaut werden. Und das stellte sich als Glücksfall für die MEYER WERFT und die gesamte Papenburger Schifffahrt heraus: Weil die Elbe 1 als Feuerschiff mit öffentlichen Mitteln bezahlt wurde, setzten sich Behörden dafür ein, dass das Schiff auch abgeliefert werden konnte. Dies war allerdings nur dann möglich, wenn die im Krieg zerstörten Eisenbahnbrücken in Papenburg und Weener als Klappbrücken wiederaufgebaut wurden. Dank der Elbe 1 ist es wirklich so gekommen.

Das Problem mit den Brückendurchfahrten war gelöst, auf der MEYER WERFT kämpfte man nun vor allem mit den Alltagsschwierigkeiten der Nachkriegszeit. Zwar war es den Arbeitern gelungen, die 1945 ebenfalls versenkte Maschinenanlage des Feuerschiffs wieder zu reparieren - ansonsten fehlte es an allem.

Holz für den Innenausbau hatte sich die Werft gegen die Lieferung von Kohle aus ihren Beständen besorgt. Aber woher Farbe für den Anstrich nehmen? Joseph-Franz Meyer gelang es tatsächlich, Eimer mit rotem, grünem und weißem Lack aufzutreiben. Doch dann passierte das Unfassbare: Weil die Bahn beim Rangieren der Güterwagen nicht aufpasste, entgleiste ein Waggon. Und statt vieler Farben für den Schiffsanstrich blieb lediglich ein großer bunter Fleck auf dem Bahnhofsgelände.

Mit der Währungsreform im Juni 1948 gab es über Nacht wieder alles zu kaufen auch Schiffsfarben. So konnte die Elbe 1 innerhalb von drei Monaten fertiggestellt und endlich an ihre Position in der Elbmündung gebracht werden, neun Jahre nach der Kiellegung. Dort lag sie vor Anker und kam ihrer Aufgabe nach, anderen Schiffen Navigationshilfe zu leisten.

1988 ging für alle sich in der Elbmündung vor Cuxhaven befindlichen Feuerschiffe eine lange Karriere von insgesamt 172 Jahren zu Ende: Auch die Elbe 1 wurde als aktives Feuerschiff eingestellt und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven übergeben. Bereits ein Jahr später übernahm sie der Förderverein Cuxhaven - später wurde sie als Museums-Feuerschiff genutzt. Ihre letztendliche Übernahme erfolgte 2002 durch den Feuerschiff-Verein ELBE von 2001 e.V. Cuxhaven. Im Gegensatz zu vielen anderen Museumsschiffen ist die Elbe 1 heute in der Lage, zu maritimen Veranstaltungen in andere Häfen zu fahren.